Los Angeles, Sommer 1953, Halle A
Auf dem Gelände von Meridian Pictures liegt eine Hitzewelle über der Stadt. Gedreht werden die letzten Szenen von „Schatten über dem Pazifik“, einem düsteren Thriller, dem ganz Hollywood einen Triumph bei den Oscars voraussagt. Bei Tagesanbruch klopft der Aufnahmeleiter an die Tür der Stargarderobe. Gloria Swann, seit fünfzehn Jahren der größte Star der Stadt, antwortet nicht. Man findet sie reglos auf ihrem Schminkstuhl, das Gesicht noch mit Kamera-Make-up bedeckt. Der Gerichtsmediziner spricht zunächst von akutem Nierenversagen unbekannter Ursache, doch die Analyse des Make-ups ändert alles: Jemand hat das übliche Zinkacetat durch Bleiacetat ersetzt. Das war keine Tat im Affekt, sondern eine langsame, kalkulierte Vergiftung über Tage. Um Gloria kreiste eine ganze Welt aus Regie, Produktion, Agentur, Maske, Kostüm und Presse, und diese Welt sitzt an deinem Tisch. Der Ton ist Film noir: elegant, zynisch, mit viel Rauch und wenig Mitgefühl. Das hat eine Folge für die Ermittlung, die deine Gäste schnell bemerken: Bei einer Vergiftung über Tage zählt nicht nur der Tatabend, sondern jeder Zugang zur Maske in der ganzen Woche davor.
Die Welt hinter den Scheinwerfern
Die zwölf Rollen decken einen kompletten Studiobetrieb ab. Ganz nah am Opfer stehen Rex Howard, Regisseur bei Meridian Studios, Produzent Sam Weston, Agent Jimmy Crane und Dorothy Lane, die persönliche Maskenbildnerin des Stars. Aus dem Handwerk kommen Irene Dupont als französische Kostümbildnerin und Walter Gaines, Maskenbildner und Leiter der Kosmetikabteilung. Für Rivalität sorgen Vivian Marsh, eine aufstrebende Schauspielerin, Tony Marcello als Co-Star und früherer Geliebter sowie Lucy Hartley, Lichtdouble und Starlet am Anfang ihrer Karriere. Barbara Cole schreibt das Drehbuch, Eleanor Mansfield schreibt für das Magazin „Variety“, und Frank Delano spielt Jazz in der Studiobar „The Reel“. Diese Struktur macht den Fall besonders reizvoll, denn Hierarchie und Abhängigkeit sind hier Teil der Motive: Wer nichts zu verlieren hat, redet frei, wer einen Vertrag riskiert, schweigt. Jede Figur hat Ziele, Gespräche, die sie anzetteln soll, und drei Enthüllungsstufen. Für die Rollenverteilung heißt das: Gib die Figuren mit Vertrag und Karriererisiko an Gäste, die gerne taktieren, und die freien Figuren an alle, die lieber offen heraus sprechen. Diese Aufteilung trägt den ganzen Abend.
Drei Akte und ein längerer Abend
Hollywood Noir ist mit zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden das längste Szenario im Katalog, und diese Zeit brauchst du auch. Der Fall hat mehr Personal, mehr Beziehungen und eine Vergiftung über mehrere Tage, was den Abgleich der Zeitpunkte aufwendiger macht als bei einem Mord in einer einzigen Nacht. Der erste Akt dient der Vorstellung am Set und dem Ende der Dreharbeiten, der zweite den Befragungen und den ersten Beweisstücken, der dritte den belastenden Dokumenten und den offenen Rechnungen zwischen Studio und Talent. Halte dich an die Zeitvorgaben im Leitfaden, sonst zieht sich der zweite Akt. Ein praktischer Kniff für diesen Fall: Bau eine kurze Drehpause als Szene ein, in der zwei Figuren allein sprechen dürfen, während alle anderen zuhören. Nach der Abstimmung wird die Auflösung vorgelesen. Mit Essen und Nachgespräch landest du realistisch bei vier Stunden, plane den Abend also nicht zu spät. Wenn ihr unter der Woche spielt, kannst du den zweiten Akt um eine Viertelstunde kürzen, ohne dass der Fall leidet. Streiche dagegen nie die Zeit für die Abstimmung, denn genau dort entsteht die beste Diskussion des Abends.
Für welche Gruppe der Fall gemacht ist
Dieses Szenario belohnt Runden, die gerne reden und Freude an Status und Auftritt haben. Wer Filme aus dieser Zeit mag, erkennt jede Anspielung, und wer sie nicht kennt, findet trotzdem sofort in die Figuren hinein, weil die Konstellation aus Star, Studio und Presse vertraut ist. Gut geeignet ist der Fall für eine Gruppe von zehn bis zwölf Personen, weil erst dann der komplette Studiobetrieb am Tisch sitzt. Für Freundeskreise, die sich schon einmal an einem Krimidinner versucht haben, ist er der logische nächste Schritt. Auch für einen Geburtstag mit Motto funktioniert er gut, weil der Dresscode einfach zu treffen ist. Die Preise hängen an der Gruppengröße: 19,90 Euro für 6 bis 8 Spieler, 24,90 Euro für 9 bis 10 und 34,90 Euro für 11 bis 12 Spieler. Wie du das Geburtstagskind in so einem Fall sinnvoll besetzt, erklären wir unter /krimidinner-geburtstag. Weniger gut passt der Fall zu einer Runde, die sich zum ersten Mal überhaupt an einem Krimidinner versucht. Nicht weil er kompliziert wäre, sondern weil die schiere Länge Einsteiger erfahrungsgemäß überfordert.
Ausstattung, Licht und Dresscode
Film noir ist vor allem eine Frage des Lichts, und das ist die gute Nachricht für deinen Geldbeutel. Arbeite mit wenigen, harten Lichtquellen statt mit Deckenlicht, also einer Schreibtischlampe, die schräg über den Tisch leuchtet, und Kerzen im Hintergrund. Wenn du eine Jalousie hast, stelle eine Lampe dahinter, dieser Streifenschatten ist das Markenzeichen des Genres. Beim Dresscode genügen dunkle Anzüge, Krawatten und Hüte auf der einen Seite, figurbetonte Kleider, rote Lippen und Handschuhe auf der anderen. Requisiten aus dem PDF wirken stärker als gekaufte Deko: Klappe, Drehplan, ein Vertragsentwurf, eine Seite Drehbuch, eine Titelseite der „Variety“. Für die Musik passt später Jazz mit Klavier und gedämpfter Trompete, leise gespielt. Alles Material bekommst du als PDF per E-Mail im Sofort-Download und druckst es selbst aus. Wie der Druck im Detail abläuft, erklären wir unter /krimidinner-zum-ausdrucken. Ein Detail, das viel bringt und fast nichts kostet: Stell einen Stuhl mit Spiegel und ein paar Schminkutensilien als Garderobe in eine Ecke des Raums. Dieser eine Gegenstand macht die Kulisse sofort greifbar.
Für wen dieses Szenario nichts ist
Der Fall ist lang, und das muss zu deiner Runde passen. Wenn ihr an einem Wochentag spielt oder Gäste mit langer Heimfahrt dabei sind, wird es knapp, denn unter dreieinhalb Stunden inklusive Essen wird der Abend kaum enden. Auch inhaltlich ist Hollywood Noir nicht harmlos: Es geht um Machtgefälle im Studiosystem, um Karrieren, die von einem Anruf abhängen, und um eine sehr kalt geplante Tat. Wer einen leichten, verspielten Abend sucht, ist mit einem Piraten- oder Casinofall besser bedient. Für Kinder und Jugendliche ist das Szenario nicht gedacht. In sehr kleinen Runden unter sechs Personen fehlt zudem die halbe Studiowelt, und die Motive verlieren ihren Reibungspunkt. Und wenn deine Gäste keine Lust auf Verkleidung haben, verliert der Fall einen Teil seiner Wirkung, weil das Genre stark über Bilder funktioniert. Rechne lieber ehrlich und wähle im Zweifel das kürzere Szenario. Rechne also ehrlich mit der Uhr und mit dem Thema. Wenn beides passt, bekommst du den dichtesten Abend im Katalog, und wenn eines von beidem wackelt, ist ein kürzeres Szenario die klügere Entscheidung.
Häufige Fragen
Warum dauert Hollywood Noir länger als andere Fälle?+
Weil die Tat über mehrere Tage geplant wurde und mehr Figuren in Beziehung zueinander stehen. Der Abgleich der Zeitpunkte braucht schlicht mehr Gesprächszeit. Plane zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden reines Spiel ein.
Muss ich mich in alten Filmen auskennen?+
Nein. Der Charakterbogen liefert alles, was deine Figur weiß und will. Filmwissen sorgt höchstens für zusätzliche Anspielungen am Tisch, ist für die Ermittlung aber vollkommen bedeutungslos.
Funktioniert der Fall auch mit sechs Personen?+
Ja, die letzten Rollen der Liste sind als optional markiert und lassen sich weglassen. Mit zehn bis zwölf Spielern entfaltet das Szenario allerdings mehr Wirkung, weil dann der gesamte Studiobetrieb besetzt ist.
Wie bekomme ich das Material?+
Als PDF per E-Mail direkt nach dem Kauf, im Sofort-Download. Du druckst Charakterbögen und Beweisstücke selbst aus, es wird nichts per Post verschickt. Dadurch entfallen Versandkosten und Wartezeit vollständig.



