Was das Format im Unterricht leistet
Ein Kriminalfall zwingt zu einer Denkbewegung, die im Unterricht sonst schwer herzustellen ist: von der Einzelinformation zur begründeten These. Wer behauptet, die Hausdame sei die Täterin, muss sagen, welche Aussage das stützt und welche dagegen spricht. Genau das ist Argumentieren, und es passiert hier freiwillig, weil die Klasse den Fall lösen will. Dazu kommt das Sprechen: In einer Verhörszene redet auch, wer sich sonst nie meldet, weil die Figur wie ein Schutzschild wirkt und nicht die eigene Person bewertet wird. Ein dritter Effekt betrifft das Zuhören. Wer unaufmerksam ist, verpasst den Hinweis, der die Lösung trägt, und merkt das sofort. Schließlich liefert das Format ein sauberes Produkt für die Nachbereitung: Die Klasse kann im Anschluss einen Ermittlungsbericht, ein Plädoyer oder eine Zeitungsmeldung schreiben, und alle haben denselben Stoff im Kopf. Der Aufwand für Sie liegt fast vollständig in der Vorbereitung, im Unterricht selbst moderieren Sie nur. Hinzu kommt ein Nebeneffekt, den viele Lehrkräfte berichten: Nach so einer Stunde sitzt die Klasse anders zusammen als vorher.
Material, Kopien und ein ehrlicher Hinweis
Eine Krimidinner-Box kostet 29,90 Euro, ein Detektiv-Fall 24,90 Euro. Nach der Zahlung erhalten Sie einen Zugangscode per E-Mail und laden das PDF herunter, es wird nichts verschickt. Sie drucken selbst aus, was für den Schulalltag praktisch ist, weil Sie Figurenmappen für Teams beliebig oft vervielfältigen können. Unsere Lizenz ist für private Runden gedacht. Wenn Sie dasselbe Material in der Schule, in mehreren Parallelklassen oder im Rahmen einer Fortbildung einsetzen möchten, schreiben Sie uns vorher kurz eine Nachricht, dann klären wir das. Inhaltlich gilt derselbe Vorbehalt wie bei Kindergeburtstagen: Die Fälle sind für Erwachsene geschrieben, mit erwachsenen Motiven und erwachsener Textmenge. Für die Schule kürzen Sie Figurenmappen auf höchstens eine halbe Seite, streichen heikle Motive und ersetzen sie durch Diebstahl, Sabotage, Prüfungsbetrug oder Erpressung um einen Wettbewerbsplatz. Wenn Ihnen das zu viel Arbeit ist, lohnt der Blick auf Detektiv-Fälle, dort entfällt das Rollenspiel, und Sie moderieren eine gemeinsame Ermittlung. Planen Sie für die Anpassung eines Falls etwa zwei Stunden ein.
Ablauf in 45 und in 90 Minuten
Eine Einzelstunde reicht nicht für einen kompletten Fall, aber für einen sauberen Ausschnitt. In 45 Minuten funktioniert das so: fünf Minuten Einstiegstext und Regeln, zehn Minuten Lesen der Rollen in Partnerarbeit, zwanzig Minuten eine einzige große Verhörrunde mit fester Redeordnung, fünf Minuten Abstimmung, fünf Minuten Auflösung. Das ist sportlich, aber machbar, wenn das Material vorher ausgeteilt wurde. In einer Doppelstunde bekommen Sie den ganzen Bogen: zehn Minuten Einstieg, fünfzehn Minuten Rollen und erste Beweisstücke, dann zwei Verhörrunden zu je zwanzig Minuten mit einem Dokumentenblock dazwischen, zehn Minuten Beratung in Kleingruppen, zehn Minuten Abstimmung mit Begründung und fünf Minuten Auflösung. Eine dritte Variante verteilt den Fall auf zwei Stunden in derselben Woche, mit einer Hausaufgabe dazwischen, etwa einer schriftlichen Verdachtsnotiz. Was immer Sie wählen: Schreiben Sie den Zeitplan an die Tafel. Klassen halten Zeitfenster deutlich besser ein, wenn sie diese sehen. Teilen Sie das Material am Ende der Vorstunde aus, denn Lesen im Unterricht kostet Zeit, die Ihnen später beim Verhör fehlt.
Fächer und Anknüpfungspunkte
Im Deutschunterricht liegt der Ertrag beim Argumentieren, beim Textsortenwechsel und bei der Figurenanalyse, und der Fall lässt sich hervorragend mit einer Kriminalerzählung koppeln. Im Fremdsprachenunterricht ist das Format ein Sprechanlass mit klarem Wortschatzrahmen: Verhöre brauchen Fragen, Zeitangaben, Ortsangaben und Widerspruch, also genau das, was im Lehrwerk steht. Reduzieren Sie die Textmenge dann drastisch und geben Sie Redemittel vor. In Geschichte funktioniert ein Fall, der in einer behandelten Epoche spielt, als Zugang zu Alltagsleben und Gesellschaftsordnung, etwa Der Enigma-Code für den Zweiten Weltkrieg oder Mord im Casino Royal für die 1920er Jahre. In Ethik oder Religion liefert das Thema Aussage gegen Aussage einen guten Einstieg in Fragen von Wahrheit, Vorverurteilung und Indizien. In Politik oder Rechtskunde lässt sich ein Fall in eine kleine Verhandlung überführen, mit Verteidigung, Anklage und Urteilsbegründung. Wenn Sie einen Fall brauchen, der auf Ihr Thema zugeschnitten ist, ist das unter Krimidinner nach Maß möglich. In Mathematik oder Informatik lässt sich ein Fall zusätzlich über Codes, Zeitpläne und einfache Wahrscheinlichkeiten öffnen, etwa beim Prüfen von Alibis.
Große Klassen: Teams statt Einzelrollen
Ein Szenario mit zwölf Rollen und eine Klasse mit achtundzwanzig Lernenden passen nicht zusammen, wenn jede Person eine eigene Figur bekommen soll. Die Lösung heißt Teamrollen. Zwei bis drei Lernende teilen sich eine Figur, lesen gemeinsam, beraten und bestimmen für jede Runde eine Sprecherin oder einen Sprecher, wobei die Rolle reihum geht. Damit ist niemand unbeschäftigt, und niemand steht allein vor der Klasse. Verteilen Sie innerhalb der Teams feste Aufgaben: eine Person spricht, eine notiert die Aussagen der anderen Figuren, eine hütet das Material, eine achtet auf Widersprüche. Diese Aufgabenkarten drucken Sie einmal und benutzen sie jedes Mal wieder. Setzen Sie die Teams bewusst zusammen und nicht nach Freundschaft, sonst verhandeln am Ende dieselben Grüppchen wie in jeder Pause. Für die Sitzordnung hat sich ein großes U bewährt, mit den Teams als Blöcke und einem freien Bereich in der Mitte, in dem die Verhöre stattfinden. Legen Sie pro Team ein Blatt mit allen Figurennamen an, damit niemand den Überblick verliert, wer eigentlich wen verdächtigt.
Bewertung, Differenzierung und Nachbereitung
Bewerten Sie nicht die Schauspielleistung, das wäre unfair gegenüber zurückhaltenden Lernenden und misst nichts Fachliches. Bewertbar ist dagegen alles Schriftliche und alles Begründete: die Verdachtsnotiz mit zwei Belegen, der Ermittlungsbericht nach dem Spiel, das Plädoyer, die Zusammenfassung der Beweislage. Wenn Sie mündlich bewerten wollen, kündigen Sie vorher genau ein Kriterium an, etwa ob eine Aussage mit einem Beweisstück belegt wurde. Zur Differenzierung eignen sich unterschiedlich dichte Rollen: Wer sprachlich sicher ist, bekommt eine Figur mit mehreren Geheimnissen, wer Unterstützung braucht, eine mit einem klaren Auftrag und vorformulierten Sätzen. Halten Sie für schnelle Teams eine Zusatzaufgabe bereit, etwa eine Zeitleiste der Tatnacht. In der Nachbereitung lohnt eine einzige Frage besonders: Welcher Hinweis hat in die Irre geführt und warum. Damit landet die Klasse ganz von selbst bei Vorurteil, Indiz und Beweis, und die Stunde hat mehr geleistet als reine Unterhaltung. Sammeln Sie am Ende alle Notizen ein, denn sie sind das beste Material für eine anschließende Arbeit zum Thema Argumentation.
Häufige Fragen
Ab welcher Klassenstufe funktioniert das?+
Unsere Fälle sind ab 14 Jahren empfohlen, in der Originalfassung also etwa ab Klasse neun. Jüngere Lernende brauchen deutlich gekürzte Rollen, eindeutige Hinweise und mehr Moderation. Detektiv-Fälle ohne Rollenspiel sind der leichtere Einstieg.
Darf ich das Material für meine Klasse kopieren?+
Unsere Lizenz gilt für private Runden. Für den Einsatz im Unterricht, in mehreren Klassen oder in Fortbildungen schreiben Sie uns bitte vorher kurz, dann klären wir, was möglich ist.
Was mache ich mit Lernenden, die nicht mitspielen wollen?+
Geben Sie ihnen eine Beobachterrolle mit echtem Auftrag: Protokoll führen, Widersprüche notieren, Zeitleiste erstellen. Diese Aufgaben sind fachlich wertvoll und lassen sich sogar leichter bewerten als das Sprechen in der Figur.
Brauche ich für den Unterricht Essen?+
Nein. Das Dinner ist im Klassenzimmer weder nötig noch praktisch. Der Fall funktioniert vollständig ohne Menü, die Gänge dienen zu Hause nur als Taktgeber. Ersetzen Sie sie im Unterricht durch feste Zeitfenster an der Tafel.



