Was das Format im Unterricht leistet
Ein Kriminalfall zwingt zu einer Denkbewegung, die im Unterricht sonst schwer herzustellen ist: von der Einzelinformation zur begründeten These. Wer behauptet, die Hausdame sei die Täterin, muss sagen, welche Aussage das stützt und welche dagegen spricht. Genau das ist Argumentieren, und es passiert hier freiwillig, weil die Klasse den Fall lösen will. Dazu kommt das Sprechen: In einer Verhörszene redet auch, wer sich sonst nie meldet, weil die Figur wie ein Schutzschild wirkt und nicht die eigene Person bewertet wird. Ein dritter Effekt betrifft das Zuhören. Wer unaufmerksam ist, verpasst den Hinweis, der die Lösung trägt, und merkt das sofort. Schließlich liefert das Format ein sauberes Produkt für die Nachbereitung: Die Klasse kann im Anschluss einen Ermittlungsbericht, ein Plädoyer oder eine Zeitungsmeldung schreiben, und alle haben denselben Stoff im Kopf. Der Aufwand für dich liegt fast vollständig in der Vorbereitung, im Unterricht selbst moderierst du nur. Hinzu kommt ein Nebeneffekt, den viele Lehrkräfte berichten: Nach so einer Stunde sitzt die Klasse anders zusammen als vorher.
Material, Kopien und ein ehrlicher Hinweis
Unsere Krimidinner-Boxen kosten je nach Gruppengröße zwischen 19,90 und 34,90 Euro, die Detektiv-Fälle 24,90 Euro, und beides kommt ausschließlich als PDF per E-Mail. Es wird nichts verschickt, du druckst selbst aus, was für den Schulalltag praktisch ist, weil du Bögen für Teams beliebig oft vervielfältigen kannst. Ein Kauf deckt deine eigene Veranstaltung ab. Wenn du dasselbe Material in mehreren Parallelklassen, über mehrere Schuljahre hinweg oder im Rahmen einer Fortbildung einsetzen möchtest, schreib uns vorher kurz eine Nachricht, dann klären wir das unkompliziert. Inhaltlich gilt derselbe Vorbehalt wie bei Kindergeburtstagen: Die Fälle sind für Erwachsene geschrieben, mit erwachsenen Motiven und erwachsener Textmenge. Für die Schule kürzt du Charakterbögen auf höchstens eine halbe Seite, streichst heikle Motive und ersetzt sie durch Diebstahl, Sabotage, Prüfungsbetrug oder Erpressung um einen Wettbewerbsplatz. Wenn dir das zu viel Arbeit ist, lohnt der Blick auf /detektiv-faelle, dort entfällt das Rollenspiel und du moderierst eine gemeinsame Ermittlung. Plane für die Anpassung eines Falls etwa zwei Stunden ein, danach lässt sich dasselbe Material in jedem Jahrgang wiederverwenden.
Ablauf in 45 und in 90 Minuten
Eine Einzelstunde reicht nicht für einen kompletten Fall, aber für einen sauberen Ausschnitt. In 45 Minuten funktioniert das so: fünf Minuten Einstiegstext und Regeln, zehn Minuten Lesen der Rollen in Partnerarbeit, zwanzig Minuten eine einzige große Verhörrunde mit fester Redeordnung, fünf Minuten Abstimmung, fünf Minuten Auflösung. Das ist sportlich, aber machbar, wenn das Material vorher ausgeteilt wurde. In einer Doppelstunde bekommst du den ganzen Bogen: zehn Minuten Einstieg, fünfzehn Minuten Rollen und erste Hinweise, dann zwei Verhörrunden zu je zwanzig Minuten mit einem Hinweisblock dazwischen, zehn Minuten Beratung in Kleingruppen, zehn Minuten Abstimmung mit Begründung und fünf Minuten Auflösung. Eine dritte Variante verteilt den Fall auf zwei Stunden in derselben Woche, mit einer Hausaufgabe dazwischen, etwa einer schriftlichen Verdachtsnotiz. Was immer du wählst: Schreib den Zeitplan an die Tafel. Klassen halten Zeitfenster deutlich besser ein, wenn sie diese sehen. Teile das Material am Ende der Vorstunde aus, denn Lesen im Unterricht kostet Zeit, die dir später beim Verhör fehlt.
Fächer und Anknüpfungspunkte
Im Deutschunterricht liegt der Ertrag beim Argumentieren, beim Textsortenwechsel und bei der Figurenanalyse, und der Fall lässt sich hervorragend mit einer Kriminalerzählung koppeln. Im Fremdsprachenunterricht ist das Format ein Sprechanlass mit klarem Wortschatzrahmen: Verhöre brauchen Fragen, Zeitangaben, Ortsangaben und Widerspruch, also genau das, was im Lehrwerk steht. Reduziere die Textmenge dann drastisch und gib Redemittel vor. In Geschichte funktioniert ein Fall, der in einer behandelten Epoche spielt, als Zugang zu Alltagsleben und Gesellschaftsordnung, etwa in den 1920er Jahren. In Ethik oder Religion liefert das Thema Aussage gegen Aussage einen guten Einstieg in Fragen von Wahrheit, Vorverurteilung und Indizien. In Politik oder Rechtskunde lässt sich ein Fall in eine kleine Verhandlung überführen, mit Verteidigung, Anklage und Urteilsbegründung. Wenn du einen Fall brauchst, der auf dein Thema zugeschnitten ist, ist das unter /krimidinner-nach-mass möglich. In Mathematik oder Informatik lässt sich ein Fall zusätzlich über Codes, Zeitpläne und einfache Wahrscheinlichkeiten öffnen, etwa beim Prüfen von Alibis.
Große Klassen: Teams statt Einzelrollen
Ein Szenario mit acht Rollen und eine Klasse mit achtundzwanzig Lernenden passen nicht zusammen, wenn jede Person eine eigene Figur bekommen soll. Die Lösung heißt Teamrollen. Drei bis vier Lernende teilen sich eine Figur, lesen gemeinsam, beraten und bestimmen für jede Runde eine Sprecherin oder einen Sprecher, wobei die Rolle reihum geht. Damit ist niemand unbeschäftigt, und niemand steht allein vor der Klasse. Verteile innerhalb der Teams feste Aufgaben: eine Person spricht, eine notiert die Aussagen der anderen Figuren, eine hütet das Material, eine achtet auf Widersprüche. Diese Aufgabenkarten druckst du einmal und benutzt sie jedes Mal wieder. Setze die Teams bewusst zusammen und nicht nach Freundschaft, sonst verhandeln am Ende dieselben Grüppchen wie in jeder Pause. Für die Sitzordnung hat sich ein großes U bewährt, mit den Teams als Blöcke und einem freien Bereich in der Mitte, in dem die Verhöre stattfinden. Lege pro Team ein Blatt mit allen Figurennamen an, damit niemand den Überblick verliert, wer eigentlich wen verdächtigt.
Bewertung, Differenzierung und Nachbereitung
Bewerte nicht die Schauspielleistung, das wäre unfair gegenüber zurückhaltenden Lernenden und misst nichts Fachliches. Bewertbar ist dagegen alles Schriftliche und alles Begründete: die Verdachtsnotiz mit zwei Belegen, der Ermittlungsbericht nach dem Spiel, das Plädoyer, die Zusammenfassung der Beweislage. Wenn du mündlich bewerten willst, kündige vorher genau ein Kriterium an, etwa ob eine Aussage mit einem Hinweis belegt wurde. Zur Differenzierung eignen sich unterschiedlich dichte Rollen: Wer sprachlich sicher ist, bekommt eine Figur mit mehreren Geheimnissen, wer Unterstützung braucht, eine mit einem klaren Auftrag und vorformulierten Sätzen. Halte für schnelle Teams eine Zusatzaufgabe bereit, etwa eine Zeitleiste der Tatnacht. In der Nachbereitung lohnt eine einzige Frage besonders: Welcher Hinweis hat euch in die Irre geführt und warum. Damit landet ihr ganz von selbst bei Vorurteil, Indiz und Beweis, und die Stunde hat mehr geleistet als reine Unterhaltung. Sammle am Ende alle Notizen ein, denn sie sind das beste Material für eine anschließende Arbeit zum Thema Argumentation.
Häufige Fragen
Ab welcher Klassenstufe funktioniert das?+
Ab etwa Klasse sieben mit gekürzten Texten, richtig gut ab Klasse neun. Jüngere Lernende brauchen kürzere Rollen, eindeutige Hinweise und mehr Moderation. Detektiv-Fälle ohne Rollenspiel sind für die Unterstufe der leichtere Einstieg.
Darf ich das Material für meine Klasse kopieren?+
Für deine eigene Veranstaltung druckst du so viele Exemplare aus, wie du brauchst. Für mehrere Parallelklassen, wiederholten Einsatz über Jahre oder Fortbildungen schreib uns vorher kurz, dann finden wir eine passende Lösung.
Was mache ich mit Lernenden, die nicht mitspielen wollen?+
Gib ihnen eine Beobachterrolle mit echtem Auftrag: Protokoll führen, Widersprüche notieren, Zeitleiste erstellen. Diese Aufgaben sind fachlich wertvoll und lassen sich sogar leichter bewerten als das Sprechen in der Figur.
Brauche ich für den Unterricht Essen?+
Nein. Das Dinner ist im Klassenzimmer weder nötig noch praktisch. Der Fall funktioniert vollständig ohne Menü, die Gänge dienen zu Hause nur als Taktgeber. Ersetze sie im Unterricht durch feste Zeitfenster an der Tafel.



