Was online besser funktioniert, als die meisten denken
Der erste Reflex lautet, dass ein Krimidinner ohne gemeinsamen Tisch nicht funktionieren kann. In der Praxis fällt vor allem eines weg, nämlich das gemeinsame Essen, und einiges kommt dazu. Am Bildschirm sieht jeder jeden frontal ins Gesicht, und das ist beim Verhören ein echter Vorteil: Zögern, Blicke und Versprecher sind in der Kachelansicht deutlicher zu sehen als quer über eine Tafel. Außerdem ist die Redeordnung von selbst geregelt, weil nur eine Person gleichzeitig verständlich sprechen kann, was Vielrednern die Bühne nimmt und ruhigeren Gästen Raum gibt. Hinzu kommt die Logistik: Niemand muss fahren, niemand braucht ein Bett, und ein Abend mit Gästen aus Hamburg, Wien und Zürich ist plötzlich möglich. Was Sie dafür investieren müssen, ist Vorbereitung. Ein Online-Krimidinner verzeiht Improvisation schlechter als ein Abend zu Hause, weil Sie technische Probleme nicht nebenbei lösen können. Die Fälle selbst bleiben identisch: Sie laden das PDF herunter und verteilen die Figurenmappen digital an Ihre Gäste, mehr dazu unter Krimidinner-Boxen.
Technik: Plattform, Nebenräume und Ton
Wählen Sie eine Plattform, die Nebenräume beherrscht, also getrennte Gesprächsräume innerhalb derselben Sitzung. Genau diese Funktion ist der Kern eines Online-Krimidinners, denn ohne Zweiergespräche unter vier Augen gibt es keine Geheimnisse. Gängige Videokonferenzdienste bieten das unter Bezeichnungen wie Breakout-Räume oder Gruppenräume an, prüfen Sie vorher, ob Ihre Version die Funktion freischaltet. Zweitens der Ton: Bitten Sie alle Gäste, Kopfhörer zu benutzen, ohne Ausnahme. Ein einziges offenes Mikrofon mit Lautsprecher erzeugt Echo, und Echo zerstört jede Verhörszene. Drittens die Ansicht: Erklären Sie zu Beginn, wie man in die Galerieansicht wechselt, damit alle alle sehen. Viertens der Name: Alle tragen ihren Rollennamen als Anzeigenamen ein, nicht den echten. Das klingt nach Kleinigkeit, trägt aber die Illusion des ganzen Abends. Testen Sie die Einrichtung zwei Tage vorher mit einer Person aus der Runde, nicht eine Minute vor dem Start. Und halten Sie eine Telefonnummer bereit, über die Sie jemand erreicht, der nicht hineinkommt. Halten Sie außerdem eine zweite Person bereit, die die Sitzung übernimmt, falls Ihre Verbindung mitten in einer Runde abbricht.
Material vorab verteilen und ausdrucken lassen
Die größte Abweichung vom Abend zu Hause betrifft das Material. Online können Sie keine Mappen auf den Tisch legen, also müssen Sie steuern, wer was wann sieht. Schicken Sie jedem Gast etwa fünf Tage vorher einzeln die zwei Seiten seiner eigenen Figur, niemals als Gruppennachricht, und bitten Sie darum, sie auszudrucken. Ein Blatt Papier neben der Tastatur ist am Bildschirm viel praktischer als ein zweites Fenster, das die Kacheln verdeckt. Die Beweisstücke dagegen behalten Sie bei sich und zeigen sie im Verlauf über die Bildschirmfreigabe. Das wirkt dramatischer, und die Datei bleibt dort, wo sie hingehört, nämlich bei Ihnen. Legen Sie sich vorher einen Ordner an, in dem die Seiten nach Akten sortiert sind, sonst suchen Sie live nach dem richtigen Dokument. Leitfaden und Auflösung öffnen Sie als Spielleitung im Portal Fallakte, am besten auf einem zweiten Gerät, damit Ihr Konferenzbildschirm frei bleibt. Beachten Sie, dass Ihr Code ab dem ersten Öffnen eine Woche gilt. Wie die Dateien aufgebaut sind, sehen Sie unter Krimidinner zum Ausdrucken.
Der Ablauf in Runden, angepasst an den Bildschirm
Planen Sie online straffer als zu Hause. Nach etwa zweieinhalb Stunden lässt die Konzentration am Bildschirm spürbar nach, kürzen Sie also lieber Pausen als Spielzeit. Ein bewährter Ablauf sieht so aus: fünfzehn Minuten Ankommen mit Technikcheck und Vorstellung der Rollennamen, zehn Minuten Einstiegstext und Spielregeln, dann drei Runden zu je dreißig bis vierzig Minuten. Jede Runde besteht aus zwei Teilen: erst zehn Minuten in der großen Gruppe, in der neue Beweisstücke gezeigt und öffentlich befragt wird, dann zwanzig Minuten in Nebenräumen, in denen sich jeweils zwei oder drei Figuren unter vier Augen unterhalten. Die Zuteilung der Nebenräume bereiten Sie vorher vor, damit jede Figur im Lauf des Abends mit möglichst vielen anderen gesprochen hat. Zwischen den Runden gibt es fünf Minuten Pause, damit alle einmal aufstehen. Am Ende folgen Abstimmung und Auflösung in der großen Gruppe. Sagen Sie die Zeiten vorher an und halten Sie sie ein, online verzeiht die Gruppe Verzögerungen deutlich weniger als am Tisch. Planen Sie am Ende zehn Minuten ein, in denen alle die Kameras anlassen und einfach über den Abend reden.
Regie: wer moderiert und wie
Online brauchen Sie eine echte Spielleitung, die nicht mitspielt. Am Esstisch kann man nebenbei moderieren, am Bildschirm nicht: Wer Nebenräume öffnet, Dateien teilt, auf die Uhr schaut und Nachzügler einlässt, hat keine Kapazität für eine eigene Rolle. Diese Person kündigt jede Runde an, nennt die verbleibende Zeit und ruft eine Minute vor Ende der Nebenräume eine Vorwarnung aus. Wichtig ist außerdem der Blick auf die Stillen: In der Kachelansicht sieht man sofort, wer seit zwanzig Minuten nichts gesagt hat, und eine gezielte Frage an genau diese Figur holt sie zurück ins Spiel. Nützlich ist ein zweiter Kanal, etwa eine Gruppe im Messenger, über den die Spielleitung einzelnen Personen private Anweisungen schickt. Verzichten Sie darauf, alles perfekt machen zu wollen. Ein kurzer Satz wie „Technikpause, zwei Minuten“ ist völlig in Ordnung und bricht die Stimmung weniger, als stumm an einer Einstellung herumzuklicken. Sagen Sie außerdem zu Beginn, dass Rückfragen zur Technik jederzeit erlaubt sind, dann meldet sich niemand erst nach einer halben Stunde.
Hybride Abende und typische Pannen
Der hybride Fall ist der schwierigste: vier Personen gemeinsam an einem Tisch, drei einzeln zugeschaltet. Ohne Vorkehrung verlieren die Zugeschalteten den Anschluss, weil sie die Nebengespräche am Tisch nicht hören. Wenn es sich einrichten lässt, sollte deshalb jede Person ein eigenes Gerät mit Kopfhörern benutzen, auch die, die nebeneinandersitzen. Stellen Sie außerdem ein zusätzliches Gerät mit Weitwinkelblick auf den Tisch, damit die Ferngäste die Runde sehen. Die häufigsten Pannen sind schnell benannt: Jemand kommt nicht in die Sitzung, ein Mikrofon bleibt stumm, ein Nebenraum schließt sich zu früh, eine Datei lässt sich nicht öffnen. Alle vier lösen Sie vorher, indem Sie eine Ersatzeinladung, eine Telefonnummer, eine zweite moderierende Person und die Figurenmappen zusätzlich griffbereit halten. Und planen Sie einen Puffer von fünfzehn Minuten am Anfang ein. Der Abend beginnt online nie pünktlich, und wer das einkalkuliert, startet trotzdem entspannt. Schreiben Sie sich die wichtigsten Handgriffe vorher auf einen Zettel, damit Sie sie nicht im Kopf haben müssen, während fünfzehn Kacheln auf Sie warten.
Häufige Fragen
Welche Plattform eignet sich für ein Krimidinner online?+
Jede Videokonferenz mit Nebenräumen und Bildschirmfreigabe. Prüfen Sie vorher, ob Ihre Version diese Funktionen freischaltet und wie lange kostenlose Sitzungen laufen dürfen. Eine Zeitbegrenzung von vierzig Minuten reicht für einen Krimiabend nicht aus.
Wie viele Personen funktionieren am Bildschirm?+
Sechs bis zehn sind ideal, weil noch alle in eine Kachelansicht passen. Ab zwölf Teilnehmenden wird die Runde unübersichtlich, und Sie brauchen eine strenge Redeordnung sowie feste Zuteilungen für die Nebenräume.
Muss jeder das Material selbst ausdrucken?+
Nur die zwei Seiten der eigenen Figur, und das lohnt sich sehr. Ein Blatt neben der Tastatur verdeckt keine Kacheln. Die Beweisstücke zeigen Sie als Spielleitung über die Bildschirmfreigabe.
Kann man online auch gemeinsam essen?+
Ja, und es lohnt sich. Schicken Sie allen vorab dieselbe einfache Rezeptidee oder vereinbaren Sie einen Signature Drink, den alle mixen. Das gemeinsame Anstoßen zu Beginn ersetzt einen großen Teil der Tischatmosphäre.


