Die Grundregel: drei Akte, drei Gänge
Jede Box läuft in drei Akten ab, und genau daran hängst du das Essen. Die Vorspeise gehört in Akt 1, während sich die Figuren vorstellen und alle noch sitzen. Der Hauptgang kommt zwischen Akt 1 und Akt 2, also in der Pause, in der ohnehin geredet wird. Der Nachtisch wartet bis nach der Auflösung. Diese Einteilung hat einen praktischen Grund: Akt 3 besteht aus freien Verhören, bei denen die Gäste aufstehen und durch die Wohnung gehen. Wer in dieser Phase Teller verteilt, unterbricht den intensivsten Teil des Abends. Plane deshalb so, dass zwischen dem Beginn von Akt 3 und der Abstimmung nichts mehr serviert werden muss. Und überlade das Menü nicht: Drei Gänge sind genug, vier machen aus einem dreistündigen Spiel einen fünfstündigen Abend, bei dem die Konzentration vor der Auflösung nachlässt. Stell dir bei jedem Gang eine einzige Frage: Muss ich dafür aufstehen, während gespielt wird? Lautet die Antwort ja, verschiebe ihn in eine Pause.
Akt 1: eine Vorspeise, die schon fertig ist
Der erste Akt ist der empfindlichste, weil alle gerade erst in ihre Rollen finden. Alles, was in der Küche noch Arbeit macht, ist hier falsch. Ideal sind kalte oder lauwarme Vorspeisen, die schon auf dem Tisch stehen, wenn die Gäste kommen: Antipasti, Suppe aus der Terrine, ein Brett mit Käse und Aufstrichen, Blätterteigteilchen, kleine Salate. Ein Vorteil dieser Formate ist, dass man sie im Sitzen weiterreicht, und genau dieses Weiterreichen bringt Figuren miteinander ins Gespräch, die sonst nicht nebeneinandersitzen. Ein Detail, das erfahrene Gastgeber machen: Portioniere alles so, dass niemand aufstehen muss, um sich etwas zu nehmen. In Akt 1 wird vorgestellt und zugehört, jede Bewegung im Raum lenkt ab. Getränke kommen vorher in Karaffen auf den Tisch, dann verschwindet niemand in der Küche, während eine Figur ihr Alibi erzählt. Stell außerdem Brot und Wasser gleich zu Beginn auf den Tisch. Beides beruhigt die Runde und verhindert, dass jemand mitten in der Vorstellungsrunde in die Küche verschwindet.
Akt 2: der Hauptgang, der warten kann
Zwischen Akt 1 und Akt 2 liegt die natürliche Pause des Abends, und dort gehört der Hauptgang hin. Das einzige Kriterium: Er muss warten können, ohne zu leiden. Schmorgerichte, Aufläufe, Curry, Chili, Lasagne, ein Braten aus dem Ofen, Eintöpfe: Alles, was sich warmhalten lässt und nicht auf die Minute genau fertig sein muss. Ebenfalls hervorragend geeignet sind Fondue und Raclette, weil sie die Gäste am Tisch halten und über Stunden nebenbei laufen. Was du vermeiden solltest, sind Gerichte, die im letzten Moment gebraten oder angerichtet werden, denn du bist als Spielleitung parallel für die Hinweise zuständig. Serviere den Hauptgang, während du die nächsten Umschläge verteilst, dann laufen Essen und Spiel ineinander statt gegeneinander. Wenn du magst, gib einem Gericht den Namen einer Figur, das nimmt die Runde sofort auf. Ein praktischer Trick: Stell den Hauptgang in der Form mitten auf den Tisch, statt Teller einzeln anzurichten. Das spart dir zwanzig Minuten, die du besser in die Hinweise steckst.
Der Nachtisch gehört nach der Auflösung
Nach der Abstimmung und dem Geständnis kippt die Stimmung, und zwar immer auf dieselbe Weise: Alle wollen gleichzeitig erzählen, was sie vermutet haben und warum. Genau in diesen Moment gehört der Nachtisch, weil er die Runde noch einmal zusammenholt, wenn das Spiel eigentlich vorbei ist. Praktisch bedeutet das, dass er im Kühlschrank steht und nur geholt werden muss: Mousse, Tiramisu, ein Kuchen, Obstsalat. Das ist auch der richtige Zeitpunkt für den Kaffee und für alles, was vorher Konzentration gekostet hätte. Lass die Charakterbögen dabei offen auf dem Tisch liegen. Nach der Auflösung will jeder wissen, was die anderen wirklich verborgen haben, und dieses Nachbesprechen ist bei vielen Gruppen der beste Teil des Abends. Wer das Menü gleich mitplanen will, findet die Ablaufzeiten jedes Szenarios im Leitfaden, eine Übersicht gibt es unter /krimidinner. Für Gäste, die am nächsten Morgen früh raus müssen, ist der Nachtisch außerdem der natürliche Zeitpunkt zum Gehen, ohne dass es unhöflich wirkt.
Menüideen pro Setting
Das Essen darf die Geschichte aufgreifen, ohne dass daraus ein Kochprojekt wird. Zu den Goldenen Zwanzigern passen Häppchen, Austern oder Blinis mit Creme, dazu Champagner oder ein Cremant, serviert auf Etageren. Für ein Kammerspiel im Luxuszug funktioniert ein klassisches Menü in drei kleinen Gängen, weil Zugrestaurants genau davon lebten: Consommé, Geflügel, Schokoladendessert. Ein Weingut-Szenario liefert den roten Faden von selbst, mit regionalen Vorspeisen, einem Schmorgericht und zwei Weinen zum Vergleichen, das lässt sich sogar in die Ermittlung einbauen. Ein Herrenhaus im Sturm verträgt deftige britische Küche: Pastete, Wurzelgemüse, Crumble. Für eine Insel oder eine Piratengeschichte reicht ein großes Brett mit Fisch, Brot und Obst, alles zum Zugreifen. Und wenn es ganz schnell gehen muss: Ein gutes Buffet passt zu jedem Setting, sofern das Licht stimmt. Halte dabei ein Prinzip hoch: Das Essen begleitet den Abend, es konkurriert nicht mit ihm. Ein aufwendiges Gericht, das alle bestaunen, zieht die Aufmerksamkeit genau von dort weg, wo die Hinweise liegen.
Timing in der Küche und die Sache mit den Allergien
Schreib dir einen Zettel mit drei Zeiten und häng ihn in die Küche: wann die Vorspeise steht, wann der Hauptgang aus dem Ofen kommt, wann der Nachtisch geholt wird. Als Spielleitung hast du sonst zu viel im Kopf, um nebenbei an den Backofen zu denken. Frag außerdem beim Einladen nach Unverträglichkeiten und nicht am Abend selbst, denn eine Extrawurst zwischen zwei Akten kostet dich zwanzig Minuten. Praktisch ist es, einen Gang vegetarisch zu planen, dann brauchst du keine Sonderlösung. Bitte einen Gast, der ohnehin früh da ist, die Getränke zu übernehmen: Das ist die häufigste Unterbrechung des Abends. Und wenn ihr ein Szenario spielt, das auf eure Runde zugeschnitten wurde, kannst du Gerichte und Anspielungen direkt in die Handlung schreiben lassen, mehr dazu unter /krimidinner-nach-mass. Deck den Tisch schon am Nachmittag vollständig ein, inklusive Gläser und Besteck für alle Gänge. Was einmal steht, muss zwischen zwei Akten nicht mehr geholt werden.
Häufige Fragen
Wann serviere ich welchen Gang?+
Die Vorspeise in Akt 1, den Hauptgang in der Pause zwischen Akt 1 und Akt 2, den Nachtisch nach der Auflösung. Während der freien Verhöre in Akt 3 solltest du nichts servieren, weil die Gäste dann durch den Raum gehen und einzeln miteinander sprechen.
Welches Essen eignet sich am besten?+
Alles, was warten kann: Schmorgerichte, Aufläufe, Eintöpfe, Curry, Lasagne. Fondue und Raclette sind ideal, weil sie über Stunden laufen und die Runde am Tisch halten. Vermeide Gerichte, die auf die Minute genau fertig sein müssen.
Muss das Menü zum Szenario passen?+
Es ist ein schöner Bonus, aber keine Bedingung. Ein Weingut-Szenario gibt dem Essen fast automatisch einen roten Faden. Bei allen anderen reicht ein gutes Buffet, solange Licht, Musik und Namensschilder die Stimmung tragen.
Wie lange dauert ein Krimidinner mit vollem Menü?+
Rechne mit etwa vier Stunden: zwei bis drei Stunden Spielzeit plus die Zeit für drei Gänge. Wer es kürzer will, serviert ein Buffet statt einzelner Gänge und kommt in etwa drei Stunden von der Vorstellungsrunde bis zur Auflösung.



