Wofür die Musik da ist und wofür nicht
Musik hat bei einem Krimidinner genau zwei Aufgaben. Zum einen füllt sie die Stille, damit niemand das Gefühl hat, in einem Prüfungsraum zu sitzen, zum anderen markiert sie die Zeit, in der sich Ihre Runde an einem anderen Ort befindet, nämlich im Jahr Ihres Falls. Was Musik nicht leisten soll: Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sobald ein Gast sagt, dass er dieses Lied kennt, hat die Playlist verloren. Wählen Sie deshalb Stücke ohne deutschen oder englischen Gesang im Vordergrund, denn Text konkurriert direkt mit den Gesprächen am Tisch. Instrumentalstücke, Jazz ohne Gesang, Streicher, alte Aufnahmen mit leichtem Rauschen, all das trägt, ohne sich zu drängen. Und noch eine Regel, die viel wichtiger ist, als sie klingt: keine Musik, die jemand am Tisch mitsingen kann. Eine Playlist für drei Stunden braucht ungefähr fünfzig bis sechzig Titel. Bauen Sie sie einmal, speichern Sie sie, und Sie benutzen sie für jeden weiteren Abend mit ähnlichem Thema wieder. Speichern Sie sie außerdem offline, dann sind Sie von der Verbindung unabhängig.
Die Lautstärke ist die wichtigste Einstellung
Es gibt eine einzige Zahl, die über den Erfolg Ihrer Playlist entscheidet, und die kennen Sie nicht in Dezibel, sondern aus einem Test. Stellen Sie sich an das entfernteste Ende Ihres Tisches und sprechen Sie normal mit der Person am anderen Ende. Wenn Sie sich ohne Anstrengung verstehen, passt die Lautstärke. Müssen Sie auch nur eine Spur lauter reden, ist die Musik zu laut. Der häufigste Fehler passiert dabei nicht am Anfang, sondern nach einer Stunde: Wenn die Gespräche lebhafter werden, dreht jemand die Musik hoch, dann reden alle lauter, dann wird wieder hochgedreht. Legen Sie den Lautstärkeregler deshalb in die Hand einer einzigen Person und sagen Sie am Anfang, dass nur diese Person ihn bedient. Zweiter Punkt: Stellen Sie den Lautsprecher nicht auf den Tisch, sondern in eine Ecke des Raumes oder hinter die Sitzgruppe. Musik, die von der Seite kommt, wird als Atmosphäre wahrgenommen, Musik aus der Tischmitte als Störung. Prüfen Sie das Ganze am besten mit einer zweiten Person, bevor die Gäste kommen, denn allein im leeren Raum klingt jede Anlage anders als an einem vollen Tisch.
Bauen Sie die Playlist nach Akten, nicht nach Stimmung
Die meisten Gastgeber bauen eine lange Liste und lassen sie durchlaufen. Deutlich besser funktionieren vier kurze Listen, eine pro Abschnitt. Für den Empfang nehmen Sie das Leichteste und Hellste, was zu Ihrem Jahrzehnt passt, Musik zum Ankommen und Reden. Für den ersten Akt bleiben Sie in derselben Stimmung, nur eine Spur ruhiger. Ab dem zweiten Akt wird es dunkler: langsamere Tempi, tiefere Instrumente, mehr Raum zwischen den Tönen. Für den dritten Akt brauchen Sie fast nichts mehr, ein paar sehr ruhige Stücke oder gleich Stille. Und für die Zeit nach der Auflösung eine fünfte Liste mit allem, was Ihnen Spaß macht, dort darf auch Gesang sein, denn dann wird ohnehin nur noch geredet und gelacht. Der Vorteil dieser Bauweise: Sie steuern die Stimmung des Abends mit einem Fingertipp, ohne dass jemand merkt, dass Sie daran drehen. Legen Sie die Listen so an, dass sie länger sind als der Abschnitt, den sie begleiten, etwa fünfzehn Titel pro Akt. Nichts stört mehr als eine Liste, die mitten im Verhör zu Ende ist und in Stille übergeht.
Welche Musik zu welchem Jahrzehnt
Für die 1920er Jahre suchen Sie nach früher Tanzmusik und Instrumental-Jazz mit Klarinette und Banjo, am besten Aufnahmen mit dem typischen Knistern, passend etwa zu Mord im Casino Royal im Paris des Jahres 1927. Für die 1930er und 1940er funktionieren Swing-Orchester ohne Gesang und die dunkleren Stücke, die man aus alten Kriminalfilmen kennt. In den 1950ern sind Streicherarrangements und Bar-Piano die sichere Wahl, wie geschaffen für Hollywood Noir. In den 1980ern werden es Synthesizerflächen und gedämpfte Gitarren, und eine Radionacht im Bayou wie Mitternacht auf Sendung verträgt sogar etwas Rauschen zwischen den Sendern. Ein Fall in einem eingeschneiten Zug verträgt fast nur Klavier, ein Kasino-Abend lebt von gedämpfter Big Band. Wenn Sie unsicher sind, suchen Sie nach Filmmusik statt nach Popmusik des Jahrzehnts: Soundtracks sind genau dafür geschrieben, im Hintergrund zu wirken, ohne die Handlung zu übertönen. Vermeiden Sie dabei die ganz großen Erkennungsmelodien bekannter Filme, denn die reißen Ihre Gäste sofort aus der Geschichte und in eine andere hinein. Alle Themen im Überblick finden Sie im Katalog der Krimidinner-Boxen.
Geräusche statt Musik
Der stärkste Effekt des Abends kostet keinen Cent und heißt Regen. Eine Aufnahme von Regen an einem Fenster, ein Kaminfeuer oder das Ticken einer großen Standuhr verwandelt einen Wohnzimmertisch in dreißig Sekunden in ein altes Landhaus. Gerade in Akt drei, wenn es ernst wird, funktionieren solche Geräusche besser als jedes Musikstück, weil sie Spannung erzeugen, ohne Melodie und damit ohne Ablenkung. Setzen Sie sie sparsam ein, höchstens in einem Abschnitt, sonst nutzt sich der Effekt ab. Ein zweiter Kniff für Gastgeber mit Sinn fürs Detail: ein einzelner Ton an einer dramatischen Stelle. Eine Türklingel, ein Donner, das Läuten einer Uhr, genau in dem Moment, in dem ein Hinweis auf den Tisch kommt. Das lässt sich mit dem Handy in der Tasche auslösen und wirkt am Tisch wie große Regie. Testen Sie den Ton aber vorher einmal über Ihren Lautsprecher, weil viele Aufnahmen viel lauter sind als die Musik davor. Für einen Abend mit besonderem Anlass wie einem Junggesellinnenabschied lohnt sich diese kleine Mühe besonders, mehr dazu unter Krimidinner zum JGA.
Technik: einfach halten
Ein Bluetooth-Lautsprecher und ein Handy reichen völlig, Sie brauchen keine Anlage. Wichtig sind drei Vorkehrungen, die fast immer vergessen werden. Erstens: Stellen Sie das Handy, das die Musik abspielt, auf lautlos und schalten Sie Benachrichtigungen ab, sonst reißt mitten im Verhör eine Nachricht die Szene auseinander. Zweitens: Laden Sie alle Playlists vorher herunter, damit sie auch ohne Internet laufen. Drittens: Hängen Sie das Handy an ein Ladekabel, drei Stunden Musik über Bluetooth leeren jeden Akku. Benutzen Sie für die Musik am besten ein zweites Gerät, denn Ihr eigenes Tablet oder Handy brauchen Sie als Spielleitung für den Leitfaden und die Auflösung, die bei unseren Boxen online im Portal stehen. Deaktivieren Sie außerdem den automatischen Übergang zu ähnlichen Titeln am Ende einer Liste. Sonst spielt Ihr Dienst nach dem letzten Stück eigene Vorschläge, und die passen fast nie zu einem Abend im Jahr 1927. Legen Sie sich die Reihenfolge Ihrer Listen vorher zurecht, sodass Sie beim Wechsel zwischen zwei Akten nicht suchen müssen. Ein sichtbar am Handy herumtippender Gastgeber unterbricht die Stimmung stärker als eine Minute Stille.
Häufige Fragen
Wie laut sollte die Musik beim Krimidinner sein?+
So leise, dass zwei Personen an den gegenüberliegenden Tischenden normal miteinander sprechen können. Wenn jemand die Stimme heben muss, ist die Musik zu laut. Prüfen Sie das einmal vor dem Eintreffen der Gäste.
Wann sollte ich die Musik ausschalten?+
An drei Stellen: bei der Verkündung des Mordes, kurz vor der Abstimmung und während der Auflösung. Plötzliche Stille ist das stärkste Mittel, das Sie haben, und sie signalisiert dem Tisch sofort, dass etwas Wichtiges kommt.
Darf Musik mit Gesang laufen?+
Beim Empfang und nach der Auflösung gern, während der Akte besser nicht. Text konkurriert direkt mit den Gesprächen am Tisch, und sobald jemand mitsingt, ist die Ermittlung für ein paar Minuten aus dem Rennen.
Gehört eine Playlist zum gekauften Fall dazu?+
Nein. Zu jeder Box nennen wir Epoche und Schauplatz, damit Sie gezielt suchen können. Die Musik selbst spielen Sie über Ihren eigenen Streamingdienst ab, so bleiben Sie völlig frei in der Auswahl.



