Die Woche davor: der Abend beginnt früher, als Sie denken
Ungefähr fünf Tage vor dem Termin verschicken Sie die Charakterbögen einzeln per E-Mail. Ab diesem Moment läuft der Abend bereits, auch wenn niemand am Tisch sitzt. Erfahrungsgemäß passieren zwei Dinge: Zwei oder drei Gäste antworten sofort begeistert und fragen nach Kostümdetails, und zwei melden sich gar nicht. Das ist kein schlechtes Zeichen, sondern der Normalfall. Schicken Sie drei Tage vorher eine kurze Erinnerung mit einem Satz im Ton des Falls, das reicht meist, um auch die Stillen zu aktivieren. In dieser Woche entstehen auch die ersten Verabredungen hinter Ihrem Rücken, weil Figuren auf ihren Bögen Verbindungen zu anderen Figuren haben und manche Gäste sich vorher absprechen. Lassen Sie das zu, es verbessert den Abend. Ihre eigene Aufgabe ist in dieser Woche nur eine: das Material ausdrucken, nach Runden sortieren und in beschriftete Umschläge legen. Ein praktischer Hinweis zum Timing: Ihr Zugangscode wartet nach dem Kauf, bis Sie ihn zum ersten Mal einlösen, und gilt ab dann eine Woche. Lösen Sie ihn also in dieser Woche ein, dann sind Leitfaden und Auflösung im Portal am Abend selbst noch erreichbar. Alle Boxen mit Seitenzahl und Beweisstücken finden Sie im Katalog der Krimidinner-Boxen.
18.30 bis 19.15 Uhr: Ankommen und die unbeholfenen Minuten
Die ersten Gäste kommen, tragen vielleicht einen Hut oder eine Brosche und wissen nicht genau, ob sie schon in der Rolle sind. Diese Phase ist immer ein bisschen holprig, und das ist völlig in Ordnung. Als Gastgeber helfen Sie mit drei einfachen Dingen: ein Getränk in die Hand, ein Namensschild mit dem Rollennamen und ein Satz, der die Person in ihrer Figur anspricht. Sobald jemand zweimal mit dem falschen Namen angeredet wurde, ist er in der Rolle. Verzichten Sie darauf, die Runde zu einem gemeinsamen Vorstellungsspiel zu zwingen, das erzeugt eher Fremdscham. Lassen Sie die Leute stattdessen in kleinen Gruppen ankommen, das Spiel beginnt ohnehin gleich. Planen Sie für diese Phase mindestens dreißig Minuten ein, auch wenn es lang erscheint. Wer den Mord ansetzt, bevor alle da sind und ein Glas in der Hand haben, verliert die Nachzügler für den Rest des Abends. Halten Sie in dieser Phase etwas zu knabbern bereit, damit niemand mit leerem Magen und einem Glas Sekt in die erste Runde geht, das rächt sich erfahrungsgemäß gegen 22 Uhr.
19.15 bis 20.00 Uhr: der Mord und die erste Runde
Jetzt lesen Sie den Einstiegstext vor, am besten stehend und ohne Hektik. Der Fall ist eröffnet, es gibt einen Toten, einen Ort und einen Kreis von Verdächtigen. In der ersten Runde stellt sich jede Figur vor und nennt eine Information über sich sowie ihren Aufenthaltsort zur Tatzeit. Das dauert bei acht Personen etwa fünfundzwanzig Minuten und läuft parallel zur Vorspeise. Diese Runde wirkt oft noch etwas steif, weil alle vorlesen statt zu spielen, und auch das ist normal. Was Sie hier tun sollten: nicht eingreifen, nicht korrigieren, nicht beschleunigen. Was Sie vermeiden sollten: selbst zu viel zu reden. Am Ende der Runde stellt jeder eine Frage an eine andere Figur seiner Wahl, und genau an dieser Stelle entsteht der erste echte Konflikt am Tisch. Ab hier hört das Vorlesen auf und das Spiel fängt an. Ein praktischer Hinweis zum Einstiegstext: Stellen Sie vorher die Musik leiser und warten Sie, bis alle sitzen. Wer mitten in ein Gespräch hineinliest, verliert die Hälfte des Tisches und muss wichtige Sätze gleich zweimal sagen.
20.00 bis 21.00 Uhr: die Runde, in der der Abend kippt
Mit dem Hauptgang kommen die ersten Hinweisdokumente auf den Tisch: ein Brief, ein Kontoauszug, eine Zeugenaussage. In dieser Stunde passiert das Entscheidende, und sie verläuft fast immer in zwei Phasen. Zuerst ein Durchhänger von etwa zehn Minuten, in dem alle lesen und niemand spricht. Das fühlt sich als Gastgeber unangenehm an, ist aber nur Verarbeitungszeit. Dann bricht es auf: Jemand konfrontiert eine Figur mit einem Widerspruch, zwei andere stellen sich dazu, und plötzlich reden alle gleichzeitig. Ab diesem Punkt trägt sich der Abend selbst. Ihre Aufgabe ist jetzt nur noch Taktung. Wenn ein Gespräch versandet, geben Sie den nächsten Hinweis fünf Minuten früher aus. Wenn eine Diskussion glüht, lassen Sie sie laufen und verschieben den Hinweis nach hinten. Erfahrene Gastgeber erkennen den Kipppunkt daran, dass niemand mehr auf den Charakterbogen schaut. Bleibt der Kipppunkt aus und ist die Runde nach vierzig Minuten immer noch höflich, hilft ein gezielter Schubs: Bitten Sie zwei Figuren, die laut Charakterbogen eine gemeinsame Vorgeschichte haben, ihre Version vor allen zu schildern. Danach läuft es fast immer.
21.00 bis 22.00 Uhr: dritte Runde und Abstimmung
In der dritten Runde kommen die belastenden Dokumente auf den Tisch, also jene Hinweise, die einzelne Figuren unter Druck setzen. Der Ton wird schärfer, es wird offener beschuldigt, und meistens gesteht in dieser Phase mindestens eine Person ein Geheimnis, das mit dem Mord gar nichts zu tun hat. Diese Nebengeständnisse sind oft die besten Momente des Abends. Etwa fünfzehn Minuten vor Schluss kündigen Sie die Abstimmung an und geben allen kurz Zeit, ihre Gedanken zu ordnen. Dann nennt reihum jeder seinen Verdächtigen und begründet die Wahl in zwei Sätzen. Nehmen Sie sich hier Zeit, das ist erfahrungsgemäß der lustigste Teil, weil die Begründungen zunehmend abenteuerlicher werden. Wichtig: Lassen Sie niemanden aus. Wer sich drücken will, bekommt die Frage, wen er am wenigsten verdächtigt, das funktioniert immer. Mehr zur Feinplanung einer Feier finden Sie unter Krimidinner zum Geburtstag. Halten Sie die Begründungen kurz, zwei Sätze pro Person reichen, sonst zieht sich die Abstimmung über zwanzig Minuten und die Spannung sinkt ausgerechnet vor dem Moment, für den der ganze Abend gebaut ist.
22.00 Uhr bis Mitternacht: Auflösung und Nachspiel
Die Auflösung lesen Sie am besten selbst vor, ruhig und ohne Kommentare zwischendurch. Bei unseren Boxen steht sie nicht im PDF, sondern online im Portal, halten Sie also ein Tablet oder Handy bereit. Rechnen Sie mit zehn Minuten Vorlesen und anschließend mit einem lauten Durcheinander: Jeder will wissen, wer wen belogen hat und wer wen gedeckt hat. Dieses Nachgespräch dauert oft eine volle Stunde und gehört zum Abend dazu, planen Sie es also nicht weg. Beliebt ist an dieser Stelle eine kleine Auszeichnung für die überzeugendste Lüge und eine für die beste Ermittlung, Preise dürfen albern sein. Danach löst sich der Abend wie jede andere Feier auf. Ein letzter Tipp: Räumen Sie den Tisch erst am nächsten Morgen ab. Die ausgebreiteten Dokumente, Notizzettel und Verdachtslisten ergeben ein gutes Foto und erzählen den ganzen Abend noch einmal. Rechnen Sie außerdem damit, dass mindestens ein Gast die Auflösung anzweifelt und noch einmal alle Hinweise durchgehen will. Lassen Sie das zu, denn dieses Nachrechnen ist der beste Beweis, dass der Fall die Runde wirklich erwischt hat.
Häufige Fragen
Wann wird eigentlich gegessen?+
Während des Spiels. Jeder Gang eröffnet eine neue Runde: Vorspeise zur ersten, Hauptgang zur zweiten, Dessert zur dritten. Wählen Sie Gerichte, die Sie vorbereiten können, damit Sie während der Runden nicht in der Küche stehen.
Was mache ich, wenn die Runde schneller ist als geplant?+
Dann ziehen Sie die Hinweise vor und verlängern die Abstimmung. Die Zeitangaben im Leitfaden sind Orientierung, keine Vorschrift. Ein Abend, der zwanzig Minuten früher endet, ist kein Problem, ein hastiges Finale dagegen schon.
Darf man zwischendurch Pause machen?+
Ja, und zwischen zwei Runden ist der richtige Moment dafür. Zehn Minuten für frische Luft und Toilette helfen der Konzentration mehr, als sie das Spiel stören. Unterbrechen Sie dagegen nie eine laufende Befragung, das kostet die Stimmung.
Wie lange dauert ein Krimidinner insgesamt?+
Unsere Boxen sind auf rund drei Stunden Spiel angelegt, von der Ankunft bis zur Auflösung vergehen damit etwa dreieinhalb bis vier Stunden. Rechnen Sie danach noch eine Stunde Nachgespräch dazu, die erfahrungsgemäß niemand abkürzen möchte.

