Gewohnheit 1: die Uhr hüten, nicht die Lösung
Die wichtigste Aufgabe der Spielleitung ist nicht der Fall, sondern die Zeit. Fast jeder Abend, der irgendwann durchhängt, hat dieselbe Ursache: Der erste Akt hat sich auf eine Stunde ausgedehnt, weil die Gespräche so gut liefen, und für die Auflösung bleibt am Ende eine gehetzte Viertelstunde. Schreiben Sie sich deshalb vor dem Abend die Uhrzeiten der einzelnen Akte auf einen Zettel und legen Sie ihn neben Ihren Teller. Nicht als Gesetz, sondern als Geländer. Wenn Sie fünfzehn Minuten über dem Plan liegen, kürzen Sie nicht die Auflösung, sondern die nächste Verhörrunde. Ein zweiter Kniff: Koppeln Sie jeden Akt an einen Gang des Essens. Sobald Sie die Vorspeise abräumen, weiß der Tisch ohne Ansage, dass jetzt etwas Neues kommt, und die Gespräche finden von allein ein Ende. Das erspart Ihnen das unangenehme Unterbrechen. Im Leitfaden der Spielleitung, den Sie bei unseren Boxen online im Portal öffnen, stehen zu jedem Akt Richtzeiten, an denen Sie sich orientieren können. Wenn Sie sich nur eine einzige Gewohnheit merken, dann diese: Die Spielleitung hütet die Uhr.
Gewohnheit 2: fragen, statt zu erzählen
Wer zum ersten Mal moderiert, erklärt zu viel. Sobald eine Runde ins Stocken gerät, ist die Versuchung groß, die Lücke mit einer Zusammenfassung zu füllen: wer was gesagt hat, was daraus folgt, worauf der Tisch als Nächstes achten sollte. Genau das nimmt Ihren Gästen die Arbeit ab, und diese Arbeit ist der eigentliche Spaß. Gewöhnen Sie sich stattdessen drei Fragen an, die fast immer funktionieren. Erstens: „Wo warst du eigentlich, als die Lichter ausgingen?“ Zweitens: „Wem am Tisch glaubst du am wenigsten, und warum?“ Drittens: „Hat jemand noch etwas, das er bisher für sich behalten hat?“ Diese drei Sätze bringen jede festgefahrene Runde wieder in Bewegung, ohne dass Sie eine einzige Information preisgeben. Richten Sie die Fragen an konkrete Personen statt in den Raum, sonst antwortet immer dieselbe Hälfte des Tisches. Und wenn jemand eine falsche Theorie aufstellt, korrigieren Sie sie nicht. Falsche Theorien sind der Motor des Abends, weil sie andere Figuren zwingen, sich zu verteidigen, und dabei rutscht fast immer etwas heraus.
Gewohnheit 3: Hinweise dosieren statt ausschütten
Hinweise sind Ihre einzige echte Währung, und wie bei jeder Währung gilt: Wer alles auf einmal ausgibt, hat für den Rest des Abends nichts mehr. Sortieren Sie die Dokumente deshalb schon am Vortag in beschriftete Umschläge, einen pro Akt, und legen Sie sie in der Reihenfolge übereinander, in der sie gebraucht werden. Am Abend greifen Sie dann nur noch zu, statt zu suchen. Halten Sie außerdem immer einen Hinweis in Reserve, den der Ablauf gar nicht vorsieht. Wenn eine Runde einschläft, ziehen Sie ihn und der Tisch hat sofort wieder ein Thema. Umgekehrt gilt: Läuft ein Gespräch richtig gut, geben Sie den nächsten Hinweis bewusst später aus. Ein Dokument, das zu früh kommt, unterbricht die beste Szene des Abends. Geben Sie Hinweise am besten einer bestimmten Figur in die Hand, statt sie in die Mitte zu legen. So entscheidet ein Gast, wann und wie er die Information teilt, und daraus entsteht neues Spiel. Alle Boxen mit der Zahl ihrer Beweisstücke finden Sie im Katalog der Krimidinner-Boxen.
Gewohnheit 4: die stillen Gäste beim Namen nennen
In jeder Runde gibt es zwei bis drei Menschen, die den Abend tragen, und zwei bis drei, die nach einer Stunde nur noch zuhören. Das liegt selten an Desinteresse, sondern schlicht daran, dass es keine Lücke im Gespräch gibt, in die sie hineinkommen. Ihre Aufgabe ist, diese Lücke zu öffnen. Das geht am einfachsten über den Rollennamen: „Kommissar Berger, du hast vorhin etwas notiert, was war das?“ wirkt sofort, weil ein Name fällt und die Frage damit eine Adresse hat. Wer namentlich angesprochen wird, antwortet fast immer. Ein zweiter Weg ist die Zweierrunde: Schicken Sie zwei Figuren für fünf Minuten in die Küche, damit sie unter vier Augen sprechen. Zurückhaltende Gäste blühen in solchen Zweiersituationen fast immer auf. Und wenn Sie merken, dass jemand seine Informationen nicht loswird, geben Sie ihm einen Hinweis, der genau seine Figur betrifft. Dann hat er automatisch etwas, das der Tisch hören will. Behalten Sie außerdem im Hinterkopf, dass Zurückhaltung am Tisch nichts über Interesse aussagt: Viele stille Gäste beobachten am genauesten und lösen den Fall am Ende.
Gewohnheit 5: nicht mitermitteln
Die verlockendste Falle für Gastgeber ist, selbst Detektiv zu spielen. Sie kennen den Fall, Sie sehen die Spuren, und wenn der Tisch an einer offensichtlichen Sache vorbeiläuft, juckt es in den Fingern. Widerstehen Sie dem. In dem Moment, in dem die Spielleitung eine Theorie bewertet, hören alle auf, selbst zu denken, und warten auf Ihr nächstes Nicken. Bleiben Sie deshalb bei drei neutralen Reaktionen: „Interessant.“, „Notiert.“ und „Wer sieht das anders?“ Damit kommen Sie durch jede Situation, ohne etwas zu verraten. Wichtig ist auch Ihr Gesicht: Lachen an der falschen Stelle ist ein Hinweis, und geübte Runden lesen Sie besser, als Ihnen lieb ist. Wenn Sie unbedingt mitspielen möchten, geht das ebenfalls. Bei unseren Boxen steht die Auflösung nicht im PDF, sondern online im Portal, Sie können sie also bis zum Schluss ungelesen lassen und als normale Figur am Tisch sitzen. Dann übernimmt eine zweite Person die Zeitansagen. Beides funktioniert, nur beides gleichzeitig funktioniert nicht. Eine letzte Hilfe für schwache Momente: Wenn Sie jemand direkt fragt, ob eine Theorie stimmt, geben Sie die Frage an den Tisch zurück, statt zu antworten.
Gewohnheit 6: den Abend sauber zu Ende bringen
Viele Krimidinner fransen am Ende aus: Irgendwann kennt jemand die Lösung, es wird noch ein bisschen diskutiert, und dann steht der Erste auf. Das ist schade, denn der Schluss ist der Teil, an den sich alle erinnern. Setzen Sie deshalb einen klaren Punkt. Kündigen Sie die Abstimmung an, statt sie einfach geschehen zu lassen, und lassen Sie jeden Gast seinen Verdächtigen laut nennen und in zwei Sätzen begründen. Dann wird es still, und in dieser Stille lesen Sie die Auflösung vor. Danach gehört der Abend wieder den Gästen: Wer hat gelogen, wer hat wen gedeckt, wer war ganz nah dran. Planen Sie für dieses Nachgespräch zwanzig Minuten ein, es ist der am meisten unterschätzte Teil eines Krimidinners. Zum Schluss eine kleine Auszeichnung für die beste Ermittlung und eine für das überzeugendste Schauspiel, das kostet nichts und wirkt lange nach. Wenn Sie danach eine Runde wollen, die genau auf Ihre Gruppe zugeschnitten ist, sehen Sie sich unser Krimidinner nach Maß an.
Häufige Fragen
Muss die Spielleitung die Lösung kennen?+
Nein. Bei unseren Boxen liegen Leitfaden und Auflösung online im Portal und nicht im PDF. Sie können die Auflösung bis zum Schluss ungelesen lassen und trotzdem moderieren. Wer lieber alles im Blick hat, liest den Leitfaden vorher einmal komplett durch.
Kann ich moderieren und gleichzeitig mitspielen?+
Ja, aber geben Sie die Zeitansagen an eine zweite Person ab. Moderieren, kochen, Getränke nachfüllen und eine Figur spielen sind zusammen zu viel. Zwei dieser Aufgaben schaffen Sie gut, vier ruinieren Ihnen den Abend.
Was mache ich, wenn eine Runde komplett festhängt?+
Ziehen Sie den Hinweis, den Sie in Reserve halten, und geben Sie ihn gezielt einer Figur, die bisher wenig gesagt hat. Wenn das nicht reicht, servieren Sie den nächsten Gang: Ein Ortswechsel am Tisch setzt fast immer neue Gespräche in Gang.
Wie viel Vorbereitung braucht die Spielleitung?+
Etwa eine Stunde: den Leitfaden einmal lesen, die Hinweise in beschriftete Umschläge sortieren, die Uhrzeiten der Akte notieren. Nach der Zahlung erhalten Sie sofort einen Zugangscode per E-Mail, laden das PDF im Portal herunter und drucken es selbst aus. Es wird nichts verschickt.



